Dem Österreichischen Seniorenrat obliegt die gesetzliche Interessenvertretung von über 2,5 Millionen Seniorinnen und Senioren in Österreich.

Seniorenrat fordert volle Inflationsabgeltung und warnt einmal mehr vor Pensions-Alarmismus

    Im Rahmen der Pressekonferenz am 9. April 2026 im Vorfeld der Beschlüsse zum Doppelbudget warnte der Österreichische Seniorenrat vor neuen Belastungen für die ältere Generation und forderte, sämtliche Pensionen in voller Höhe an die tatsächliche Inflation anzupassen. Die Präsidentinnen Ingrid Korosec (Seniorenbund) und Birgit Gerstorfer (Pensionistenverband Österreichs) machten klar, dass weitere Sparmaßnahmen nicht akzeptabel sind.

    Aktivpension und Freibetrag: 30 Versicherungsjahre für Frauen sind genug

    Aktivpension und Steuerfreibetrag

    Für das Arbeiten neben einer Alterspension bzw. über dem gesetzlichen Pensionsalter hinaus wird es ab 1.1.2027 einen Steuerfreibetrag von bis zu 15.000 Euro pro Jahr (1.250 Euro monatlich) geben. Geplant ist, dass Männer 40 Versicherungsjahre (480 Versicherungsmonate) und Frauen 36,5 Versicherungsjahre (438 Versicherungsmonate) aufweisen müssen. Der Österreichische Seniorenrat fordert, dass für Frauen 30 Versicherungsjahre genug sein müssen.

    Den Steuerfreibetrag sollen auch jene Frauen erhalten, die bereits in Pension sind und jetzt arbeiten wollen. Diese sind in der Regel mit 60 Jahren in Pension gegangen und können daher häufig nicht die 438 Versicherungsmonate aufweisen. Sie waren zudem häufig mit Kinderbetreuungsaufgaben betraut und sind nach der Karenzzeit für einige Jahre zu Hause geblieben, weil dies auch gesellschaftlich gewünscht bzw. sogar gefordert war. Die Kindererziehungszeiten und Pflegezeiten wurden damals entweder gar nicht oder nur in einem geringeren Ausmaß angerechnet als heute.

    Frauen, die jetzt in der Pension arbeiten wollen, haben alle angeführten Nachteile, und daher sind 30 Versicherungsjahre genug.

    Teuerung und zusätzliche Abgaben: Was die Älteren bereits tragen mussten

    Pensionistinnen und Pensionisten sehen sich seit Jahren mit stark steigenden Preisen für Wohnen, Energie, Lebensmittel, Gesundheit und andere Lebenshaltungskosten konfrontiert. Gleichzeitig wurden sie im vergangenen Jahr mehrfach zusätzlich belastet, hier nur zwei Beispiele dafür: Die Pensionsanpassung für 2026 wurde sozial gestaffelt: Pensionen bis 2.500 Euro brutto werden zwar um 2,7 Prozent erhöht, höhere Pensionen erhalten lediglich einen Fixbetrag von 67,50 Euro im Monat – im Schnitt ergibt das nur rund 2,25 Prozent Anpassung.

    Mit 1. Juni 2025 wurde der Beitragssatz zur Krankenversicherung für Pensionistinnen und Pensionisten von 5,1 auf 6 Prozent der Bruttopension erhöht – eine Maßnahme, die ausdrücklich als Beitrag zur Budgetkonsolidierung begründet wurde. Damit leisten ältere Menschen bereits jetzt einen überproportionalen Beitrag zur Sanierung der öffentlichen Finanzen – und das in einer Phase, in der sie die Teuerung besonders hart trifft.

    Ingrid Korosec: „Volle Anpassung ist Vertrauensschutz“

    Ingrid Korosec unterstreicht, dass die gesetzlich vorgesehene Inflationsabgeltung ein Kernbestandteil des Vertrauens in das Pensionssystem ist. Wenn die Anpassung – wie zuletzt – nur einem Teil der Pensionistinnen und Pensionisten zur Gänze zugutekommt, führe das zu realen Kürzungen. „Ein Leben nach jahrzehntelanger Arbeit darf nicht von dauernden Sorgen geprägt sein, ob das Einkommen noch reicht, so Korosec.

    Birgit Gerstorfer „Die Grenze des Zumutbaren ist erreicht“

    Birgit Gerstorfer betont, dass die Kombination aus Preissteigerungen, höheren Krankenversicherungsbeiträgen und nur teilweise Pensionsanpassung für viele Ältere zu einer spürbaren Verschlechterung der finanziellen Lage geführt hat. „Mieten, Betriebskosten, Strom, Lebensmittel und Medikamente werden nicht billiger, nur weil das Budget auf Kosten der Pensionistinnen und Pensionisten saniert wird“, so Gerstorfer.

    Kaufkraft sichern, Altersarmut verhindern, Wirtschaft stützen

    Der Österreichische Seniorenrat weist darauf hin, dass stabile Pensionen nicht nur individuelle Sicherheit bieten, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll sind: Pensionszahlungen fließen unmittelbar in den Konsum und stützen regionale Wirtschaftskreisläufe. Werden Pensionen dauerhaft unter der Inflation angepasst und zugleich die Abgaben erhöht, wird Kaufkraft entzogen und das Risiko von Altersarmut weiter verschärft. Für viele Familien sind die Pensionen der Großeltern zudem eine wichtige Stütze – etwa bei der Unterstützung von Kindern und Enkelkindern, bei Wohnkosten oder Pflegeaufwand. Ein weiterer realer Wertverlust der Pensionen hätte daher Auswirkungen weit über die Gruppe der direkt Betroffenen hinaus.

    Pensions-Alarmismus widerlegt

    Wie sicher sind unsere Pensionen?

    „Die Diskussion um die Zukunft des Pensionssystems wird oft mit dem Hinweis geführt, der Staat müsse einen Bundeszuschuss zur 1. Säule in der Höhe von rund 36 Milliarden Euro „für die Pensionen“ zuschießen“, so Korosec. Aktuelle Analysen von Christine Mayrhuber (WIFO) zeigen hingegen, dass Österreich mit Pensionsausgaben der ersten Säule von rund 14 bis 15 Prozent der Wirtschaftsleistung zwar über dem EU-Durchschnitt liegt, sich aber im europäischen Rahmen bewegt und damit ein leistungsfähiges, solidarisches System finanziert.

    Wer all diese Sozialleistungen unter dem Titel „Pensionskosten“ zusammenfasst, verzerrt das Bild und schürt unnötig Angst vor einer angeblichen Unfinanzierbarkeit unseres staatlichen Pensionssystems.

    Entscheidend ist aus Sicht des Seniorenrats: Unser umlagefinanziertes Pensionssystem bleibt nur dann verlässlich, wenn die Politik auf eine langfristig tragfähige und gerechte Finanzierung setzt – durch höhere Erwerbsbeteiligung, faire Beitragsgrundlagen und eine ausgewogene Steuerpolitik, nicht durch reale Kürzungen und zusätzliche Belastungen für Pensionistinnen und Pensionisten.

    Klare Erwartung an die Bundesregierung

    Korosec und Gerstorfer erwarten von der Bundesregierung eine eindeutige Zusage, dass es im Zuge des Doppelbudgets zu keinen weiteren faktischen Kürzungen der Pensionen kommt.

    Die volle Inflationsabgeltung für alle Pensionistinnen und Pensionisten, der Stopp weiterer Belastungen bei den Krankenversicherungsbeiträgen und transparente, planbare Regeln bei der Pensionsanpassung sind aus Sicht des Seniorenrats unverzichtbar. Alles andere würde das Vertrauen in den Sozialstaat nachhaltig erschüttern und ein gefährliches Signal an jene senden, die mit ihrer Lebensleistung die Grundlage für den heutigen Wohlstand geschaffen haben.

    Forderungen des Österreichischen Seniorenrats:

    • Volle Inflationsabgeltung entsprechend dem gesetzlichen Anpassungswert für alle Pensionistinnen und Pensionisten
    • Aktivpension und Freibetrag: 30 Versicherungsjahre für Frauen sind genug
    • Stärkeres Vertrauen in das Pensionsversicherungssystem zu schaffen, bedeutet auch, Menschen im Erwerbsleben zu motivieren, mehr Stunden zu arbeiten, um ihre Alterssicherung zu verbessern.
    • Keine weitere Budgetsanierung auf Kosten der älteren Generation: Der von den Seniorinnen und Senioren bereits getragene Belastungsbeitrag durch unterinflationäre Anpassungen und höhere KV-Beiträge darf nicht noch ausgeweitet werden.
    • Klare Absicherung der Kaufkraft für alle Pensionen, auch um Altersarmut zu verhindern und ein selbstbestimmtes Leben im Alter zu ermöglichen.
    • Einhaltung des Versicherungsprinzips und des Vertrauensschutzes: Wer jahrzehntelang Beiträge eingezahlt hat, muss sich auf eine Pension verlassen können, deren realer Wert nicht ausgehöhlt wird.
    • Transparente, planbare Regeln für künftige Pensionsanpassungen ohne kurzfristige Einschnitte im Zuge von Budgetverhandlungen, inklusive frühzeitiger Einbindung der Seniorenvertretungen.
    • Anerkennung der volkswirtschaftlichen Bedeutung stabiler Pensionen: Die Politik darf durch Unteranpassung und Mehrbelastungen keine zusätzliche Kaufkraft aus den regionalen Wirtschaftskreisläufen ziehen.

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