Dem Österreichischen Seniorenrat obliegt die gesetzliche Interessenvertretung von über 2,3 Millionen Seniorinnen und Senioren in Österreich.

Generationenparlament: Diskussion über Auswirkungen der Digitalisierung für Alt und Jung

Generationenparlament © Parlamentsdirektion / Thomas Jantzen

    Die mit dem digitalen Wandel verbundenen Herausforderungen für Alt und Jung standen im Mittelpunkt eines sogenannten Generationenparlaments, das am 20. Febraur 2020 in der Hofburg stattfand.

    NR-Präsident Sobotka, Bundesjugendvertretung und Seniorenrat luden erstmals zum Generationenparlament ins Hohe Haus ein

    Nach einleitenden Worten durch die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung, Caroline Pavitsits, sowie den beiden PräsidentInnen des Seniorenrats, Ingrid Korosec und Peter Kostelka, hielt Valerie Michaelis vom Verein "Fit for Internet" eine Keynote zum Thema digitale Transformation. Einig waren sich die RednerInnen vor allem darin, dass im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung niemand auf der Strecke bleiben dürfe und alle Generationen eingebunden werden müssen.

    Die TeilnehmerInnen der ganztägigen Veranstaltung hatten danach die Gelegenheit, an insgesamt vier Workshops zu den Themen E-Governance, Digitalisierung und Automatisierung, Digitale Medien und Medienkompetenz sowie Digitale Gesundheit teilzunehmen. Die Ergebnisse der Diskussionen werden am Nachmittag im Plenum präsentiert.

    Parlamentsdirektor Harald Dossi, der in Vertretung von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka die zahlreichen TeilnehmerInnen begrüßte, sprach von einer sehr guten Initiative, die erstmals im Plenarsaal abgehalten werde. Im Sinne eines offenen und bürgernahen Parlaments seien in den letzten Jahren vielfältige Formate der Partizipation entstanden, die vom Schüler- und Lehrlingsparlament, den Workshops in der Demokratiewerkstatt bis hin zum Seniorenparlament reichen. Das heutige Generationenparlament, das sich dem wichtigen Thema der Digitalisierung widme, führe nun die jüngere und die ältere Generation zusammen und leiste somit einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    Pavitsits: Digitale Kluft zwischen den einzelnen gesellschaftlichen Gruppen müsse geschlossen werden

    Digitalisierung passiere umfassend, vielfältig und noch dazu immer schneller, hob die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung Caroline Pavitsits hervor. Da die Veränderungen die gesamte Gesellschaft betreffen, sei es wichtig, verbindende Elemente zu finden und gemeinsam Probleme zu lösen. Sie freue sich daher über die Zusammenarbeit zwischen dem Seniorenrat und der Bundejugendvertretung, durch die die heutige Veranstaltung zustande gekommen sei. Digitale Lösungen können zweifellos den Alltag vereinfachen, war Pavitsits überzeugt, sie bringen aber auch eine Reihe von neuen Herausforderungen mit sich: den Verlust von Arbeitsplätzen, den Umgang mit Datenschutz und Privatsphäre, das Filtern von Informationen. Während ältere Menschen vielleicht eher darunter leiden, dass die Automatisierung zu einem Rückgang von persönlichen Kontakten führe, fühlten sich viele Junge durch die ständige Erreichbarkeit und die Masse an Informationen oft überfordert.

    Sorgen bereitete Pavitsits der sogenannte Digital Gap, der eine deutliche Kluft zwischen Gesellschaftsgruppen, zwischen Generationen und auch zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung schaffe. Man müsse daher alles daran setzen, um diese Kluft zu schließen und dafür Sorge tragen, dass niemand auf der Strecke bleibt. Auch wenn in den Medien regelmäßig versucht werde, Jung und Alt gegeneinander auszuspielen, so dürfe man sich nicht spalten lassen, unterstrich die Vorsitzende der Bundesjugendvertretung. Für große Herausforderungen brauche es eine solidarische Herangehensweise, damit die Rahmenbedingungen für Arbeit, Gesundheit, Medien und Verwaltung im Sinne aller Menschen gestaltet werden.

    Korosec: Generationenparlament ist Vorbild für gemeinsames Lösen von Problemen

    Die Präsidentin des Seniorenrats und des österreichischen Seniorenbundes Ingrid Korosec lobte die Vorteile der Digitalisierung: "Sie erleichtert das Leben in vielen Bereichen, vom Einkauf bis hin zu elektronischen Amtswegen". Auch in der Pflege und Medizin sei das Potenzial enorm, beispielsweise, was smarte Herzschrittmacher anbelangt, die Daten in Echtzeit verarbeiten. Hier gebe es aber viele ethische und rechtliche Fragen, die man gemeinsam klären müsse.

    "Die Digitalisierung muss sich nach den Generationen richten und nicht umgekehrt", unterstrich Korosec. Deshalb wollen Jung und Alt gemeinsam mit der Wirtschaft und Technikunternehmen die Richtung vorgeben und aktiv mitgestalten. Denn diese Entwicklung müsse sich nach den Generationen richten und nicht umgekehrt. Die Empfehlungen, die im gemeinsamen Austausch zwischen Senioren- und Jugendvertreterinnen und -vertretern erarbeitet und präsentiert wurden, seien ein guter Kompass für eine generationengerechte digitale Entwicklung. Sie sei sehr stolz darauf, wie hervorragend der Dialog zwischen Jung und Alt funktioniert habe. "Das Generationenparlament ist Vorbild dafür, wie wir als Gesellschaft gemeinsam Probleme lösen sollten. Ich bin davon überzeugt, dass dieses Beispiel Schule macht!"

    Kostelka: Digitaler Wandel bietet viele Chancen für alle Generationen, braucht aber auch ein Regelungskorsett

    Für Seniorenrats- und Pensionistenverbandspräsident Peter Kostelka dringt die Digitalisierung unaufhaltsam in unser Leben ein: "Surfen im Internet und Versenden von Emails waren nur die Anfänge, es folgten Online-Shopping, E-Banking und die E-Card". Heuer werde das elektronische Rezept eingeführt. Mit dem Konzept "smart-home" werden in Zukunft Assistenzsysteme zu Hause vieles digital für die Menschen erledigen. Auch die Automatisierung werde im öffentlichen Leben überall sichtbar und auch die Arbeitswelt und die Verwaltung seien bereits digital. Es gebe Autos ohne Fahrer und Drohnen, die Pakete zustellen. Schon werde darüber nachgedacht, wie Pflege-Roboter eingesetzt werden könnten, zeigte Kostelka auf.

    "Wir Älteren sind keine Modernisierungsverweigerer. Wir stehen Neuerungen bzw. Vereinfachungen und Erleichterungen positiv, jedoch auch kritisch gegenüber. Denn es muss sichergestellt sein, dass Menschen, die das nicht wollen oder können, keine Menschen zweiter Klasse sind, unterstrich der Präsident des Seniorenrats. Ganz wichtig seien dabei Einhaltung von allerhöchsten Standards im Datenschutz. "Und: VOR der Digitalisierung kommt der Mensch!", betonte Kostelka.

    Vorschläge werden an Interessensvertreter übergeben

    Gesammelt wurden Ideen und Lösungsvorschläge für die jeweiligen zielgruppenspezifischen Bedürfnisse im Bereich Digitalisierung. Sie werden an die Interessenvertretungen zur Einbindung in deren Arbeit weitergegeben. Um die Menschen zukunftsfit zu machen, gelte es die notwendige technische Infrastruktur zu schaffen, Datenschutz und Datensicherheit zu garantieren sowie Arbeitsplätze zu sichern, dabei aber auch analoge Möglichkeiten beizubehalten, lauten die wesentlichen Empfehlungen des Generationenparlaments. Unerlässlich sei dabei die stetige Informations- und Aufklärungsarbeit in niederschwelliger und regional zugänglicher Form. Die Politik trage hierbei wesentliche Verantwortung, so der Konsens. Erstrebenswert wären etwa staatliche Förderprogramme sowie mehr finanzielle Mittel für entsprechende Schulungen.

    Die Vorschläge wurden in vier Workshops zu den Themen E-Governance, Digitalisierung und Automatisierung, Digitale Medien und Medienkompetenz sowie Digitale Gesundheit erarbeitet. Es ging insbesondere um die Rolle und den Einfluss der Digitalisierung im Alltag sowie die damit zusammenhängenden Herausforderungen bzw. spezifischen Bedürfnisse je nach Altersgruppe. Begleitet wurden die rund 130 TeilnehmerInnen des Generationenparlaments mit Impulsreferaten von Digitalisierungs-ExpterInnen.

    Digitale Kompetenz als verbindendes Element zwischen den Generationen

    Zuvor hatte Valerie Michaelis von "fit4internet" (Verein zur Steigerung der digitalen Kompetenzen in Österreich) in einer Keynote die rasante Entwicklung der Digitalisierung und den damit verbundenen gesellschaftlichen Wandel dargelegt. Mittlerweile würden wir "in Digitalität", also in einer digitalen Welt, leben. Die Veränderungen würden sehr rasch ablaufen und daher in Hinblick auf Herausforderungen und Chancen von jeder Generation anders empfunden werden, meinte sie. Um mit dieser Geschwindigkeit mithalten zu können, sei der Aufbau digitaler Kompetenzen für alle Altersgruppen essenziell. Dies sei wesentlich für die Teilhabe an den digitalen Entwicklungen der Gesellschaft und ermögliche generationsübergreifend digitale Inklusion, so die Expertin. Digitale Kompetenz zähle also zu den Schlüsselkompetenzen des lebenslangen Lernens und sei ein verbindendes Element zwischen den Generationen.

    zurück